Das Recht ströme wie Wasser

Diözesane Misereor-Fastenaktion in Kaufbeuren eröffnet Unter dem Motto „ Das Recht ströme wie Wasser“ fand am Sonntag, den 21. Februar die diözesane Eröffnung der Misereor-Fastenaktion 2016 in Kaufbeuren statt.

Die Eröffnung wurde mit großem Engagement von der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren, der Abteilung Mission, Entwicklung und Frieden der Diözese Augsburg und vom pax christi Diözesanverband, federführend für die Verbände, mit einem vielfältigen Programm für alle Altersstufen durchgeführt.

Abteilungsleiter Pfarrer Dr. Ulrich Lindl stellte in einer eindrucksvollen Predigt im Eröffnungsgottesdienst in St. Peter und Paul die Forderung nach Recht und Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und Gnade vorausgehen, in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Im Gottesdienst und in einem anschließenden Vortrag berichtete der Misereor-Gast Jurandir Alves da Silva aus Brasilien über den Kampf der Armen und Ausgeschlossenen für ihr Recht auf geschützten Lebensraum gegen den Staudamm am Rio Tapajos.

pax christi mit zwei Projekten am Tag beteiligt

Mit der „Red Hand Day Aktion“ am Stand von pax christi konnten viele Kinder und Erwachsene ihren roten Händeabdruck auf Papier hinterlassen, um zu zeigen, dass sie gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten sind. Nicht wenige der ca. 250.000 Kindersoldaten weltweit schießen mit deutschen Kleinwaffen. In diesen Tagen werden die gesammelten Händeabdrücke an den Bundesaußenminister, der Bundesverteidigungsministerin und dem Bundesentwicklungsminister mit der Forderung nach einem Stopp von Waffenlieferungen in Länder, die Kindersoldaten einsetzen, wie z.B. Afghanistan, Kolumbien, Kongo, zugeschickt.

An einem Informationsstand zur „ Aktion Aufschrei - Stopp den Waffenhandel“ nahmen erfreulich viele Besucher die Gelegenheit wahr, eine Unterschriftenliste an die Bundesregierung zu unterzeichnen, die ein gesetzliches Verbot für den Export von Kleinwaffen fordert. Dazu stellte der Friedensreferent von pax christi Augsburg Christian Artner-Schedler in einem kurzen Vortrag im Pfarrsaal die Kampagne  gegen Rüstungsexporte vor, die auch von Misereor mitgetragen wird. Er verwies dabei, dass an Orten, an denen nicht Recht wie Wasser ströme, sondern Unrecht und Gewalt herrschen, Flüchtlinge strömen. Somit trägt Deutschland als viertgrößter Waffenexporteur weltweit zu Flucht und Vertreibung bei, da deutsche Waffen in fast allen Konflikt- und Kriegsregionen  mit Genehmigung der Bundesregierung  im Einsatz sind. Wirklichkeit und Anspruch bilden bis heute eine hässliche Lücke.

pax christi dankt allen Mitwirkenden und freut sich über das großartige Engagement vieler unterschiedlicher Gruppen vor Ort. Das Anliegen von Misereor, der Einsatz für Recht und Gerechtigkeit für alle Menschen, wurde dadurch einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht.

Christian Artner-Schedler, 23. Feb 2016

 

 

Fastenaktion 2016

Die Sorge für das Recht, für Gerechtigkeit und Menschenwürde steht im Zentrum der Fastenaktion 2016. Die Worte des Propheten Amos sind eine biblische Antwort auf das Unrecht seiner und unserer Zeit. Sie lenken unseren Blick auf den Kampf gegen Missstände, den diese Fastenaktion am Beispiel zweier MISEREOR-Partner im Partnerland Brasilien aufgreift.

Neu ist, dass wir die Fastenaktion gemeinsam mit dem Rat der christlichen Kirchen Brasiliens durchführen. So wird die „Sorge um das gemeinsame Haus“ (Papst Franziskus) auch über den Atlantik hinweg unsere gemeinsame Verantwortung. Im Jahr der Barmherzigkeit will uns die gemeinsame Fastenaktion zum Nachdenken, zur Umkehr und zum Spenden ermutigen.

Brasilien – Land der Widersprüche

Im aufstrebenden Brasilien begann 1992 die Geschichte der Weltklimagipfel. Hier treffen Bedrohung und Reichtum der Natur, Not und Hoffnung der Menschen aufeinander. Die Widersprüche sind enorm. Stellen Sie sich vor, im Land der größten Regenwälder wird Ihnen in São Paulo im Morgengrauen das Wasser abgestellt, weil die Reservoirs mangels Regen trocken liegen. Hier kämpfen MISEREOR-Partner an der Seite armer  Bevölkerungsgruppen um das Menschenrecht auf Wohnen, weil ganze Häuserblöcke leer stehen oder zerstört werden. Sie unterstützen die Betroffenen gegen Zwangsräumung und Ausbeutung, im Kampf um ihr Recht auf sauberes Wasser, gerechte Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit.
 
Im Bistum Itaituba ermöglichen MISEREOR-Partner Informationstreffen, damit indigene Flussanwohner des Amazonas-Gebiets ihre Rechte besprechen können, weil ihre Dörfer und ihr Land durch die Fluten geplanter Stauseen bedroht sind. Politisch gewolltes Wirtschaftswachstum geht hier über die Rechte der Armen hinweg und raubt ihnen die Lebensgrundlage. Dagegen wehren sich die MISEREOR-Partner vor Ort. Die Fastenaktion öffnet uns die Augen für solches Unrecht. Sie nährt die Sehnsucht nach Gerechtigkeit in uns, fordert uns zum Handeln auf,  gemeinsam mit den christlichen Kirchen in Brasilien.
 
Henry Schürmann und Franz Gulde